Schlacht um Kursk: Mythos und Realität

Die Schlacht bei Kursk – „Die Hölle von Kursk“
Ein Versuch, den Mythos von der Realität zu trennen

Nach ihrer Niederlage bei Stalingrad im Winter von 1942-43 starteten die deutschen Streitkräfte am 4. Juli 1943 an der Ostfront eine Großoffensive unter dem Decknamen Unternehmen Zitadelle. Am Höhepunkt dieses Unternehmens, der Schlacht um Kursk, waren mehr als 6.000 Panzer, 4.000 Flugzeuge und zwei Millionen Soldaten beteiligt, und sie wird, egal ob richtig oder falsch, als die größte Panzerschlacht der Weltgeschichte angesehen. Verschiedene Historiker geben extrem unterschiedliche Berichte über die Ereignisse dieser Zeit und es verbleibt als Teil der Geschichte, der von Mythen und Spekulationen umgeben ist. Noch heute findet man neue Informationen in Archiven, die vorher vergraben und versteckt waren. Zum Beispiel wurden die Aufzeichnungen der Waffen SS bis ungefähr 1981 nicht freigegeben, sodass bis dahin sogenannte „historische Berichte“ schon erstellt wurden.

Deutscher Durchbruch während der Schlacht um Kursk.

 

Die Schlacht, über die am meisten diskutiert wird, fand bei Prochorowka statt (auch Prokhorowka geschrieben, was vielen von euch sicher bekannt vorkommt)  und begann am 12. Juli. Historiker bezeichnen Prochorowka als Sieg von verbesserten sowjetischen Taktiken über deutsche Feuerkraft und schwere Panzer, wobei neue Befunde die Ereignisse in der „Hölle von Kursk“ in einem etwas anderen Licht darstellen.

Das Hauptziel der Deutschen während Zitadelle war es, einen sowjetisch kontrollierten Frontvorsprung zu sichern, der 70 Kilometer in den Westen ragte. Die Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Günther von Kluge sollte von der nördlichen Flanke angreifen. Die 9. Armee sollte den Angriff anführen, das XLVI. Panzerkorps sollte auf der rechten Flanke sein und das XLI. Panzerkorps sollte auf der linken. Das XLVII. Panzerkorps unter General Joachim Lemelsen sollte Richtung Kursk vorrücken und sich dort mit der Heeresgruppe Südunter Generalfeldmarschall Erich von Manstein, der 4. Panzerarmee und der Armeeabteilung Kempf zusammenschließen.

Den deutschen Streitkräften standen die sowjetische Zentralfront, geführt von General Konstantin K. Rokossovsky, und die Woronescher Front, geführt von Generail Nikolai F. Watutin, gegenüber. Die Zentralfront, dessen rechter Flügel von der 13. Armee und der 17. Armee, verstärkt wurde, sollte den nördlichen Sektor verteidigen. Im Süden stand die Woronescher Front der deutschen Heeresgruppe Süd mit drei Armeen gegenüber und hatte zwei in Reserve. Die 6. und 7. Gardearmeen hielten das Zentrum und den linken Flügel. Östlich von Kursk sollte Militärbezirk Steppe unter Generalleutnant Ivan S. Konev (am 10. Juli 1943 zur Steppenfront umbenannt) deutsche Durchbrüche abhalten und die Gegenoffensive starten.

 

Es bestand das Potential, dass wenn alles nach Plan lief, die Deutschen mehr als fünf sowjetische Armeen zerstören könnten, die 9. Armee kam aber nicht einmal nah an einen Sieg gegen die sowjetischen Verteidigungen im Norden und das III. Panzerkorps traf auf ebenso schwere Gegenwehr. Am 11. Juli war die 4. Panzerarmee endlich in einer Position, von der sie die Stadt Prochorowka einnehmen und einen Brückenkopf über den Fluss Psel errichten konnte.

Wie schon zuvor erwähnt, ist dies eine der bekanntesten Schlachten an der Ostfront und wurde überall in Büchern, Filmen und Dokumentarfilmen dargestellt. Einige dieser Arbeiten sind reine Fiktion und es existieren viele verschiedene Berichte.

Die generell akzeptierte Version besagt das drei SS Divisionen, Seite an Seite Prochorowka über enges und schwieriges Gelände angriffen. Zwischen 500 und 700 deutsche Panzer rückten langsam vor, darunter auch Panzerkampfwagen V „Panther“ und die berühmten Panzerkampfwagen VI „Tiger“ mit den starken 88-mm-Geschützen. Die Sowjets in ihren agilen T-34 Panzern warfen sich zwischen sie, womit sie Chaos und Verwirrung anrichteten und den Entfernungsvorteil der 88er beseitigten.

Das Ergebnis war, dass fast 400 deutsche Fahrzeuge verloren wurden.

 

Hier liegt das Problem

Wenn man die Berichte und Gefechtsaufzeichnungen des II. SS Panzerkorps anschaut, erkennt man, dass nur mäßige Verluste gemeldet wurden. Berichte über die Zahlen verwickelter Panzer unterscheiden sich auch stark. Tatsächlich zeigen die Berichte, dass das II. SS Panzerkorps am 11. Juli insgesamt 211 einsatzfähige Panzer hatte – Totenkopf hatte 94 Panzer, Leibstandarte hatte nur 56 und Das Reich nur 61. Nur 15 Panzerkampfwagen Tiger waren bei Prochorowka noch im Einsatz und es waren keine SS-Panther verfügbar.

Am 13. Juli besagten die Gefechtsberichte der 4. Panzerarmee, dass das II. SS Panzerkorps 163 einsatzfähige Panzer, und somit nur 48 verloren, hatte. Die sowjetischen Berichte besagen dagegen, dass am die Armee am 13. Juli 400 Panzer durch reparierbare Schäden verloren hatte.

Dazu kommt, dass die Berichte über alle drei SS Divisionen Seite an Seite im Angriff nicht der Wahrheit entsprechen und taktisch unmöglich sind, da das II. SS Panzerkorps eine Front hatte, die ungefähr neun Meilen breit war.

Der 12. Juli um 5 Uhr Morgens – Hunderte sowjetischer T-34 und T-70 Panzer (mit Infanterie oben drauf) rückten von Prochorowka in Gruppen aus zwischen 40 und 50 Panzern vor. Die Infanterie stieg von den Panzern ab und rückte weiter in die deutschen Linien vor. Es gab eine Pause im Angriff und Leibstandarte rückte seine gepanzerten Einheiten in Richtung der Stadt vor und traf auf Teile von Rotmistrovs gepanzerter Reseve. Ein sowjetischer Angriff des 181. Panzerregiments wurde durch die 13. (schwere) Kompanie des 1. SS Panzer-Regiments abgewehrt, die aus mehreren Tigern bestand. Einer dieser Tiger wurde von Untersturmführer Michael Wittman, dem erfolgreichsten Kommandanten des Krieges, kommandiert.

Wittmanns Gruppe rückte vor, um die Flanke des deutsche Hautpangriffs zu unterstützen, als sie von sowjetischen Panzerregimenten auf große Entfernung angegriffen wurde. Der sowjetische Ansturm, direkt auf die Tiger über offenes Gelände war selbstmörderisch, da die Frontalpanzerung der Tiger leicht die 76-mm-Geschütze der T-34 Panzer auf Entfernung aushielt. Keine Tiger wurden zerstört, aber das 181. Panzerregiment wurde ausgelöscht. Später im Verlauf des Tages wurden die letzten sowjetischen Reserven, Teile des 5. Mechanisierten Korps eingesetzt. So konnte endlich  Leibstandarte angehalten werden.

Tiger I Panzer führen den Angriff an

 

Das Reich griff südwestlich von Prokhorowka und wurde schnell in Kämpfe mit dem 2. Panzerkorps und dem II Gardepanzerkorps verwickelt. Schlachtgruppen von 20 bis 40 sowjetischen Panzern, unterstützt von Infanterie und Bodenangriffsflugzeugen, trafen auf Vorhuten von Das Reich. Die Sowjets schickten weiter gepanzerte Einheiten gegen die Division und Kämpfe tobten durch den gesamten Tag, wobei die sowjetischen gepanzerten Einheiten schwere Verluste erlitten.  Das Reich rückte bis in die Nacht langsam weiter in den Osten vor und erlitt relativ leichte Verluste an seinen Panzern.

Währenddessen versuchten auf der linken Flanke Teile der sowjetischen 1. Panzerarmee ohne Erfolg den Brückenkopf zurück zu erobern.Die SS Division wehrte die 31. und 10. Panzerkorps ab, die von Einheiten des 33. Garde-Schützenkorps unterstützt wurden.

Deutsche Infanterie passiert einen ausgeschalteten sowjetischen schweren Panzer KV-1

 

Die Kämpfe, bei denen die sowjetischen gepanzerten Einheiten massive Verluste erlitten, dauerten über den 12. Juli an, ohne das eine Seite wirklich entscheidende Erfolge erzielen konnte. Dies steht im Kontrast zu den Berichten, die in viele wohlbekannten Studien der Ostfront gegeben werden, die besagen das die Kämpfe am 12. Juli mit einem maßgeblichen deutschen Verlust endeten. Viele Historiker haben gesagt, dass das Schlachtfeld mit Hunderten zerstörten deutschen Panzern übersät war. Tatsächlich dauerten die Kämpfe um Prochorowka noch mehrere Tage an.  Das Reich  rückte südlich von der Stadt bis zum 16. Juli weiterhin langsam in den Osten vor. Die erlaubte dem III. Panzerkorps, sich am 14. Juli mit der SS-Division zusammenzuschließen und mehrere sowjetische Schützendivisionen südlich von Prochorowka zu umzinglen.  Totenkopf  schaffte es schließlich die Kartaschewka-Prochorowka Straße zu erreichen und die Division nahm außerdem mehrere taktisch wichtige Hügel auf der nördlichen Seite des Perimeters.

 

Fazit

Es gibt also viele komplexe und sich unterscheidende Berichte von Historikern. Ich persönlich bin etwas skeptisch, ob wir je die ganze Wahrheit über die Schlacht erfahren werden und glaube, dass die Schlacht als Legende verbleiben wird. Eins ist aber sehr klar zu sehen: Unabhängig von den Panzerzahlen der Sowjets und der Deutschen und dem Fehlgebrauch der deutschen Panzerreserven, wurde das Vorrücken der 4. Panzerarmee wurde drastisch verlangsamt, da das Panzerkorps es nicht schaffte, Prochorowka am 12. Juli einzunehmen.

Als Hitler am 13. Juli Operation Zitadelle aufgab, wurde die letzte Chance der Deutschen, Ereignisse im Osten strategisch zu beeinflussen, verloren.

 

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Quellen:

  • World War II Magazin - George M. Nipe Feb 98
  • Grossman H. Geschichte der rheinisch-westfälischen 6. Infanterie-Division 1939 – 1945, Podzun, 1958, S.208.
  • Zetterling N., Frankson A. Kursk 1943: a statistical analysis. London, Portland. 2000. P.122. (Table 8.10: Destroyed tanks in Army Group South, 5-17 July 1943). 
  • Jentz. T. Panzertruppen, The Complete Guide to the Creation & Combat Emloyment of Germany’s Tank Force. 1943 –1945. Schiffer Military History, Atlegen, PA, 1996. P.110.
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